Vortrag von Mark Whitwell am Bhakti Fest, Californien, 2013.

Die ersten 20-30 Minuten des Videos – bis die Asanas starten – geben Einblick in einen wesentlichen Grundgedanken des Yoga, nämlich, dass es nichts zu verbessert gibt. In Zeiten des Wettbewerbs und des kontinuierlichen Verbesserns, ist auch Yoga nicht davon gefeit, dass wir es nur „um zu“ machen. Yoga um flexibler zu werden, um abzunehmen, um glücklicher zu werden. Dass allein diese Wunschgedanken die Grundidee des Yoga korrumpieren behandelt Mark in diesem Vortrag.
Hier einige Highlights – frei auf Deutsch übersetzt.

„Dass Yoga erfolgreich sein kann, muss es an das Individuum angepasst werden.
Nicht das Individuum muss sich an das Yoga anpassen.“

– Krishnamacharya

Und daraus kommt die Frage an dich lieber Yogi: Kannst Du sehen, wie du dich im Leben immer versuchst an ein Ideal anzupassen? Egal ob fremde oder eigene Ideale. Jeder von uns hat ein Bild von einem besseren Selbst im Kopf. Ein Bild das wir noch nicht erreicht haben. Eine Wunschvorstellung. Bei Patanjalis Hürden zum glücklich sein heißt es „Raga“, das Wünschen, Wollen und Streben – was uns abhält mit dem Jetzt zufrieden zu sein.

Mark führt U.G. Krishnamurtis Zitat an, das besagt:
„Unser Leiden kommt dadurch, dass wir versuchen jemand zu sein, der wir nicht sind.“ Und das schließt spirituelle Bestrebungen mit ein. Wir wären gerne gelassener, weiser und vielleicht sogar erleuchtet. Doch genau dieser Wunsch wird schon wieder zu einem Raga, das uns davon abhält im Zustand des Yoga zu sein.

Mark geht weiter mit dem Zitat von U.G.: “Es gibt keine Schritte, die gemacht werden müssen.“
Uff. Das ist hart für unseren Verstand. Denn ist es nicht so: Wenn man sich in unserem Kulturkreis nicht um die nächsten Schritte im Leben kümmert ist man entweder faul oder verantwortungslos. Logisch erklären, dass man mit dieser Geisteshaltung nicht verantwortungslos wird kann man schwer, aber man kann es gut an sich beobachten.

Würde es nicht ein riesiges Gewicht von uns nehmen, wenn es nichts zu erreichen gäbe? Wir können dann einfach nur an dem Wunder der Realität teilnehmen. Der Realität, die in dieser Verkörperung, die wir als Ich bezeichnen, zutage tritt”.
Es geht im Yoga also nicht darum irgendwo hin zu kommen. Es ist sogar hinderlich. Es geht um die pure Teilnahme am Gegebenen – an dem was ist.
Lass diesen Drang etwas zu werden gehen. Dass bedeutet Yoga als Zustand mit Dir selbst, mit dem gegebenen Zustand und mit dem gewöhnlichen Leben vertraut und im Einklang zu sein.